Mittwoch, 13. Oktober 2010

Das Wunder von Chile-Rettung verläuft schneller als erwartet

Bergwerk San José (dpa) - Euphorische Freude in Chile: Bis zum späten Nachmittag ist bereits fast die Hälfte der 33 verschütteten Kumpel gerettet. Unter lautem Jubel schlossen die Bergleute ihre Frauen und Kinder in die Arme. 69 Tage zwischen Angst und Hoffnung gingen für sie glücklich zu Ende.

Nie zuvor musste ein Bergmann solange unter Tage ausharren. Die Männer schrien, weinten und umarmten glückstrunken die Helfer am Schacht. Die Rettungsaktion hatte in der Nacht begonnen. An der Oberfläche wartete - neben den Angehörigen - auch Chiles Präsident Sebastián Piñera. Rund um den Globus hofften Millionen auf einen glücklichen Ausgang des Dramas.

Die Rettung in der engen Kapsel mit dem Namen "Fenix 2" ("Phönix") verlief in den ersten zwölf Stunden völlig reibungslos. Weniger als eine Stunde dauerte es im Schnitt, die Kapsel zu prüfen, hinabzulassen und einen Kumpel nach oben zu ziehen. Insgesamt könnte die Aktion so deutlich weniger als 40 Stunden dauern. Als letzter Kumpel sollte Schichtleiter Luis Urzúa in die Kapsel steigen, der in der Tiefe entscheidend zum Zusammenhalt der Gruppe beitrug.
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Als erster war Florencio Ávalos um kurz nach Mitternacht Ortszeit (05.10 Uhr MESZ) mit der engen Rettungskapsel aus dem unterirdischen Gefängnis befreit worden. Es folgte Mario Sepúlveda, der die Menge mit einem bewegenden Jubelausbruch rührte. Als einziger wirkte bislang der jüngste der Kumpel, Jimmy Sánchez (19), nach dem Ausstieg aus der Kapsel deutlich angeschlagen. Chiles Gesundheitsminister war guter Dinge, dass die Bergleute die wochenlangen Strapazen körperlich ohne große Probleme überstehen. "Sie sind in einem sehr guten Gesundheitszustand", sagte Jaime Mañalich.

Víctor Zamora wurde am späten Nachmittag als 14. Kumpel gerettet. Der etwa Mitte 30-Jährige schrieb unter Tage Gedichte. Nummer 13 war Carlos Barrios Contreras. Er war einer der Schichtleiter in dem Gold- und Kupferbergwerk. Direkt vor ihm war Edison Peña als 12. gerettet worden.
Weltweit wurde die Rettung live verfolgt. "Wir sind bei unseren Kollegen in Chile. Ich möchte unserer Schutzpatronin - der Heiligen Barbara - Dank sagen", sagte ein Bergmann im Bergwerk Saar. Die Menschen im österreichischen Örtchen Lassing, in dem 1998 ein Bergmann und zehn Helfer verschüttet worden waren, freuen sich ebenfalls über den glücklichen Verlauf.
Beim Internet-Dienst Twitter war alles voller "alegría", dem spanischen Wort für Freude. Überschwänglich beschrieben viele ihre Gefühle. "Heute sind wir alle Chilenen", hieß es. "Wir sind mit Dir, Chile!"

Gefreut haben dürften sich die oft tiefgläubigen Chilenen vor allem über die Worte von Papst Benedikt XVI. "Ich empfehle die Bergleute, die in der Atacama-Region in Chile verschüttet sind, weiterhin mit Hoffnung der Güte Gottes", sagte das katholische Kirchenoberhaupt in Rom.

Auch weltliche Führer fanden wohlwollende Worte. US-Präsident Barack Obama wünschte Glück. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte in einem Schreiben: "Die Kameradschaft und die Widerstandskraft der Bergleute, die Planung und Effizienz der Rettungsaktion und die Solidarität aller haben der Welt eine Botschaft der Hoffnung und Zuversicht gegeben."
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ ebenfalls ihre Freude ausdrücken. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Unsere Gedanken und unsere guten Wünsche sind bei den Chilenen - bis zu dem Moment, wo der letzte gerettet ist." Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte laut einer Mitteilung: "Ganz Deutschland freut sich mit den Bergleuten und ihren Angehörigen. Der erfolgreiche Beginn dieser Rettungsaktion ist ein modernes Wunder." Auch Spaniens König Juan Carlos freute sich über den Erfolg der Chilenen.
Boliviens Präsident Evo Morales kam, um den einzigen Nicht- Chilenen im Team, Carlos Mamani aus Bolivien, zu besuchen. Der Sender BBC berichtete, Mamani sei eingeladen, in der Präsidenten-Maschine zurück in die Heimat zu fliegen. Als Mamani aus der Kapsel stieg, schwenkten Chiles Präsident Piñera und einige Helfer bolivianische Fähnchen. Die gespannten Beziehungen der Länder schienen vergessen. Die Rettung Mamanis sei das Symbol einer neuen Einheit zwischen beiden Ländern, lobte die Zeitung "Los Tiempos".
Angehörige, Bergleute und auch die etwa 1600 Journalisten aus aller Welt reagierten im Lager Esperanza mit Jubelschreien und Freudenausbrüchen auf jede neue Rettung. Auch bei Berichterstattern flossen die Tränen. Luftballons in den chilenischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau stiegen in den Himmel.

"Die Erde hat einen Mann geboren", formulierte das chilenische Staatsfernsehen, als der erste Kumpel aus der engen Rettungskapsel mit dem spanischen Namen "Fenix 2" stieg. "Das hat den chilenischen Traum erfüllt", sagte Präsident Piñera voller Stolz über die wie am Schnürchen laufende Aktion.

Sepúlveda wurde wie ein Rockstar bejubelt. "Ich war bei Gott, ich war beim Teufel, sie kämpften um mich, Gott hat gewonnen", sagte er im ersten Interview nach der Rettung. Sein Kollege Illanes antwortete auf die Frage, wie die Fahrt denn gewesen sei: "Wie eine Vergnügungstour." Claudio Yáñez, der seiner Freundin versprochen hatte, sie nach der Rettung zu heiraten, wurde von seinen beiden weinenden Töchtern umarmt. Die Bilder von der unglaublichen Freude über die Rettung konnten auch die anderen Kumpel in mehr als 600 Metern Tiefe sehen.
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Die Geretteten wurden in ein bereitstehendes Behelfslazarett getragen, wo sie kurz untersucht werden. In dem abgeschirmten Bereich durften sie mit Angehörigen reden, dann wurden je vier der Kumpel zusammen mit Hubschraubern in die Klinik der nahe gelegenen Stadt Copiapó geflogen. "Ich bin so froh, danke Gott, dass er gut zurückgekommen ist", sagte der Vater von Ávalos. "Alles Schlimme liegt jetzt hinter uns und alles Schöne vor uns", sagte Alicia Campos, Mutter von Daniel Herrera. Er stand auf der Liste der zu Rettenden auf Nummer 16.

Dieser Artikel wurde aktuell und solidarisch für die geretteten Bergarbeiter von Chile von der Firma Nordmanntannen24 erstellt. Wir wünschen den geretteten Berarbeitern und deren Familien ein gesegnetes Weihnachtsfest.

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